Mit Open Space die Erfolgsprinzipien des Internet nutzen

Das Social Web lebt von Interaktion, Partizipation und Vernetzung – und ist damit enorm produktiv, innovativ und erfolgreich. Wie sich diese Kulturkraft im Workflow komplexer Projekte oder für die Kommunikation mit Kunden nutzen lässt beschreibt Open Space Moderator Alexander Schilling im nachstehenden Beitrag, beginnend mit der Power von Selbstorganisation,

45 Minuten nachdem Anmeldungen möglich sind, sind die 400 Plätze des Hamburger Barcamps vergeben. Das zeigt: Das Netzwerken jenseits digitaler Plattformen steht bei Unternehmern, Freelancern und Angestellten hoch im Kurs. Dabei leben Barcamps durch die Inhalte der Teilnehmer: Es gibt im Vorfeld keine Agenda. Diese entsteht erst zu Beginn der Veranstaltung, wenn die Teilnehmer ihre Themen vorschlagen. Ähnlich ist es bei der Methode Open Space, die zwar stärker strukturiert und auf ein Thema bezogen ist, aber – ähnlich wie beim Social Networking im Internet – auf Selbstorganisation und Partizipation basiert.

Open Space arbeitet mit den Erfolgsprinzipien des Internet

Wir leben in Zeiten, in denen innerhalb weniger Jahre milliardenschwere Unternehmen wie Facebook entstehen. Zeiten, die von rasanten Veränderungen und starken Marktdynamiken geprägt sind. Zeiten, in denen Unternehmen flexibel und schnell auf diese veränderten Bedingungen reagieren müssen, um erfolgreich zu sein.

Genau diese Fähigkeit bilden Unternehmen dann heraus, wenn sich deren Mitarbeiter selbst organisieren und eigenverantwortlich handeln – wie es das soziale Netz vormacht: Jeder entscheidet freiwillig, mit wem er sich vernetzt, zu welchem Thema er „bloggt“, welche Beiträge er für so relevant hält, dass er sie „retweetet“, bewertet oder kommentiert. Jeder kann seine Expertise einbringen und – wenn es sich um ein resonanzfähiges Thema handelt – sich schnell mit dem kompletten System rückkoppeln.

Erfolgreich anders arbeiten

Die oben genannten Prinzipien gelten nicht nur für Trends wie die agile Software-Entwicklung, Barcamps und Social Networks – sondern haben auch äußerst erfolgreiche Unternehmen hervor gebracht. So setzte beispielsweise ein junger brasilianischer Geschäftsführer namens Ricardo Semler bereits 1982 auf eine radikale Demokratisierung und Selbstverantwortung seines Unternehmens. Das Ergebnis: Bis 2003 wuchs die Zahl der Mitarbeiter von 90 auf 3.000 Mitarbeiter, der Umsatz stieg von 4 auf 212 Millionen Dollar. Die Rede ist von dem brasilianischen Unternehmens Semco.

Ähnliche Strukturen weisen zudem auch Unternehmen auf wie der australische Flugbuchungsservice Flight Centre oder die deutsche Agentur für das EU-Programm »Jugend in Aktion«. »Das große Geheimnis ist: dieser in allen Unternehmen haben die Mitarbeiter die Fähigkeit zur Selbstorganisation – allerdings wissen die meisten Unternehmen das nicht oder sie setzen dieses Prinzip nur schlecht um«, erklärt Harrison Owen, der Begründer der Open Space Methode.

Owen geht damit auf ein gängiges Problem ein: Denn wenn die Fähigkeit zur Selbstorganisation in jedem Unternehmen angelegt ist, warum finden dann erfolgreiche Management-Modelle – wie das bereits erwähnte Konzept von Ricardo Semler – bislang so wenige Nachahmer? Sicherlich fällt es etlichen Managern schwer, mit hergebrachten Management-Methoden zu brechen, denn das bedeutet unter anderem, dass sie Kontrolle abgeben und ein Maximum an Selbstorganisation und Eigenverantwortung zulassen müssen.

Ob Selbstorganisation ein Unternehmen erfolgreich machen kann – und wenn ja, wie –, das lässt sich nicht theoretisch abwägen. Man muss es vielmehr auszuprobieren. Open Space ist dabei eine einfache Möglichkeit, in einem klar definierten und überschaubaren Rahmen Erfahrung zu sammeln und so darüber zu befinden, was das Prinzip der Selbstorganisation wirklich bringt. Denn Open Space ist flexibel: Das Format kann über Tausend Teilnehmern für ein komplexes Thema produktiv vernetzen – Unternehmen wie Oracle, IBM, IKEA und VISA haben das in großen Konferenzen bereits getan. Es kann aber auch – weniger spektakulär, dafür aber umso interessanter für den Projektalltag – bei kleinen Projekten ab 15 Teilnehmern seine Stärken entfalten. Kleine Konferenzen (siehe Case-Study), Meetings oder auch der tägliche Workflow lassen sich somit neu strukturieren.

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